Dienstag, 19. Juli 2016

Soba-An


Es gibt wenige Gerichte, die mir und meiner Familie so ein Lächeln auf die Lippen zaubern können, wie gute Soba. 
Welch ein Glück, dass es das SOBA-AN in Düsseldorf gibt!




































Seit 2010 betreiben Takayuki Miyashita und seine Frau Rieko Miyashita auf der Klosterstraße mit viel Herzblut dieses kleine und schlicht-elegant anmutende Lokal.
Die beiden haben sich vollkommen der Soba-Nudel verschrieben und machen dabei einen ziemlich guten Job.
Während Frau Miyashita mit ihrer liebenswerten und sehr freundlichen Art den Service anführt und das Restaurant managt, ist es ihr Mann, der die schwere Kunst der Soba Herstellung eigens zwei Jahre bei einem Soba Meister in Nagoya erlernte und nun selbst diesen Titel trägt. 

Tagtäglich stellen die Meister, Soba-Shokunin genannt, handgemachte Te-Uchi Soba, her. 
Mit etwas Glück kann man diesen Prozess in der eigens dafür gebauten gläsernen Nudel-Werkstatt des Lokals sogar live erleben. Die Herstellung erfordert sehr viel Kraft und Konzentration. Derzeit ist das Soba-An das einzige Restaurant in Deutschland, dass Te-Uchi Soba anbietet.
Interessiert?
Dies ist ein Video vom Soba-meister des Soba-An


Hier in Deutschland weithin unbekannt, sind Soba für Japaner eines der wichtigsten und traditionellsten Gerichte. In Japan haben Soba sicher einen ebenso hohen Stellenwert wie Sushi&Co. 
Soba-Nudeln sind so gesund, wie sie lecker sind. Diese dunklen Buchweizennudeln (je dunkler, desto höher der Buchweizenanteil und somit die Qualität) enthalten unter anderem ein Polyphenol, Rutin, genannt.
Diesem werden diverse gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. So soll es beispielsweise blutreinigend wirken und dazu die Kapillaren stärken. 
Soba-Nudeln enthalten außerdem wenig Kalorien, stecken voller wertvollem Eiweiß und B-Vitaminen. Wenn von hoher Qualität, sind sie zudem auch glutenfrei.
Kein Wunder, dass sich die Nudeln schon seit über 500 Jahren in Japan großer Beliebtheit erfreuen. Vor der Edo-Periode wurde Buchweizen bereits als sobagaki (eine Art Teigtasche) und senbei (würzige Kräcker) verzehrt. Aber erst mit den Nudeln kam der große Durchbruch und das Fast-food der Edo Zeit war geboren.


Auch ist in Japan Tradition, anlässlich wichtiger Ereignisse Soba-Nudeln zu verzehren oder zu verschenken. 
So ist es zum Beispiel nicht nur in unserer Familie Brauch, am letzten Tag des Jahres sogenannte „Toshikoshi“ Soba zu essen.
Eine Tradition, die sich in Japan großer Beliebtheit erfreut. Lang wie die Soba-Nudel, soll das Leben sein. Aber auch wer mal keine lange Nudel erwischt, der sei getröstet. So symbolisiert die leicht zerbrechliche Soba Nudel auch ein Abschliessen mit eventuell unschönen Ereignissen des vergangenen Jahres.

Was also ist zu tun, wenn man in einem Soba-ya* wie dem Soba-An sitzt?

Man hat die Qual der Wahl zwischen warmen und kalten Nudelgerichten, mit oder ohne köstlichen Beilagen, wie zB. Tempura. Während in den heißen Sommermonaten häufig die kalte Variante gewählt wird, so wärmen im Winter die Gerichte mit heißer Brühe.
Ich bestelle, von Jahreszeiten unabhängig, meistens "Zaru-Soba", die kalte Variante. Dazu Tempura. Dabei werden die Nudeln auf einem Bambusgitter serviert. Außerdem gibt es Lauchzwiebeln, etwas Wasabi und Brühe dazu. Das Tempura kommt separat und mit einer eigenen Brühe zum dippen.
Lauch und Wasabi können je nach Geschmack in die Nudelbrühe gegeben werden. Mit den Stäbchen wird dann jeweils eine kleine Menge Nudeln aufgenommen und kurz in die Brühe getunkt. 
In Japan ist es üblich, die Sobanudeln laut und schnell schlürfend zu essen, um zu signalisieren, dass es schmeckt. Außerdem ist nur so gewährleistet, auch ausreichend Brühe zusammen mit der Nudel zu sich nehmen oder eben "schlürfen" zu können.
Also keine falsche Scheu und Schlürfen was das Zeug hält.
Zum Ende einer Mahlzeit, wird das Kochwasser der Nudeln in einem Kännchen gereicht und mit der restlichen Brühe vermischt getrunken. Dieses soll, zumindest bei handgemachten Soba Nudeln von hoher Qualität, sehr gesund sein. Mir schmeckt's auf jeden Fall. 


Apropos schmecken; im Soba-an gibt es häufig kleine und äußerst köstliche Nachspeisen.
Vom Buchweizenpudding bis hin zu Matcha-Cheesecake, kommt hier jeder auf seine Kosten. Wer also auf der Suche nach einem sehr authentischen Lokal mit traditionellem japanischen Essen ist, wird hier fündig.

Itadakimasu!























* Restaurants, die sich auf Gerichte spezialisiert haben, wird ein -ya angehängt.
Ein Sushilokal also Sushiya, eine Ramen-Küche Ramenya usw.